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Wenn dein Kind die Bildschirmzeit umgeht

Von Daniel Weihmann · aktualisiert am 14.09.2026

Kurz gesagt

  • Dass Kinder die Bildschirmzeit austricksen, ist verbreitet. Tricks werden unter Kindern weitergegeben, und manche Lücken kennt Apple seit Jahren.
  • Die häufigsten Wege: Code abgeschaut, Erinnerung weggetippt, Gerät zurückgesetzt, Umweg über andere Apps und eine Bedienungshilfe, die App-Limits aushebeln kann.
  • Die meisten Lücken schließt du mit „Zur Auszeit blockieren“, einem eigenen Code und zwei Schaltern unter „Änderungen zulassen“.
  • Seit iOS 18.5 meldet dir das iPhone, wenn der Bildschirmzeit-Code am Gerät deines Kindes eingegeben wird.

Das Tageslimit für Spiele ist seit einer Stunde erreicht, und trotzdem hörst du aus dem Kinderzimmer Spielgeräusche. Oder die Wochenübersicht zeigt deutlich weniger Zeit, als du beobachtet hast. Die erste Reaktion ist oft Ärger. Dabei sagt ein umgangenes Limit vor allem etwas darüber, wie die Regel ankommt.

Diese Seite zeigt die bekannten Lücken der Bildschirmzeit auf iPhone und iPad und wie du sie schließt. Die Tricks beschreibe ich nur so weit, wie du sie zum Erkennen brauchst. Die grundsätzliche Einrichtung steht unter Bildschirmzeit am iPhone einrichten.

Woran du merkst, dass etwas nicht stimmt

  • Die Bildschirmzeit-Übersicht passt nicht zu dem, was du beobachtest.
  • Du bekommst eine Mitteilung, dass der Bildschirmzeit-Code am Gerät deines Kindes eingegeben wurde, obwohl du es nicht warst.
  • Auf dem Gerät sind Apps, die du nicht kennst, oder eine App sieht anders aus als erwartet.
  • Das iPhone wurde „aus Versehen“ zurückgesetzt, oder es ist ein anderer Apple Account angemeldet.
  • Videos oder Websites laufen, obwohl Safari oder YouTube gesperrt sind.

Die bekannten Wege und was dagegen hilft

1. Die Erinnerung einfach wegtippen

Ohne weitere Einstellung ist ein abgelaufenes Limit nur ein Hinweis. Dein Kind tippt ihn weg oder wählt „Noch eine Minute“.

  1. Auf deinem iPhone Einstellungen > Bildschirmzeit öffnen und unter „Familie“ dein Kind wählen.
  2. Auszeit öffnen und „Zur Auszeit blockieren“ einschalten. Erst dann sind Apps nach Ablauf wirklich gesperrt.
  3. Prüfen, ob ein Bildschirmzeit-Code gesetzt ist, den nur du kennst.

2. Den Code abschauen

Laut den Ratgebern von ZDF und ins-netz-gehen.de der Klassiker: Der Code wird über die Schulter mitgelesen oder beim Eintippen gefilmt. Mit dem Code hebt dein Kind jede Grenze auf.

  • Nimm einen Code, der nichts mit Geburtstagen oder deinem Entsperrcode zu tun hat, und tippe ihn nicht vor deinem Kind ein.
  • Nutze die Mitteilungen zum Code: Seit iOS 18.5 meldet dir das iPhone, wenn der Code am Gerät deines Kindes eingegeben wird. Die letzte Verwendung siehst du unter Bildschirmzeit > [Kind] > Bildschirmzeit verwalten.
  • Bei Verdacht den Code ändern. Apple empfiehlt, danach für den Rest des Tages die Auszeit einzuschalten.

3. Zurücksetzen oder einen anderen Account anmelden

Wird das Gerät zurückgesetzt oder ein anderer Apple Account angemeldet, sind die Beschränkungen weg.

  1. Bildschirmzeit > [Kind] > Beschränkungen öffnen.
  2. Unter „Änderungen zulassen“ die Punkte „Code und Face ID“ und „Accounts“ auf „Nicht erlauben“ stellen.
  3. Sicherstellen, dass dein Kind einen eigenen Kinder-Account in der Familienfreigabe hat und nicht deinen Account nutzt.

4. Die Uhrzeit umstellen

Früher ließ sich ein Limit verlängern, indem man die Uhrzeit oder Zeitzone änderte. Laut ZDF-Ratgeber haben System-Updates das weitgehend unterbunden. Halte das Gerät deshalb aktuell.

5. Umwege über andere Apps

Ist Safari gesperrt, gibt es andere Wege ins Netz: ein zusätzlicher Browser aus dem App Store, eine App, die als Taschenrechner getarnt ist, oder der eingebaute Browser in Apps wie Mail, Nachrichten oder Messengern. Über Links in solchen Apps laufen dann auch Videos.

  • Kaufanfrage einschalten, damit keine App ohne deine Freigabe auf das Gerät kommt, auch keine kostenlose.
  • Für jüngere Kinder den Webinhalt auf „Nur genehmigte Websites“ stellen.
  • Apps mit freiem Internetzugang über die Altersfreigabe sperren. Im App Store sind sie meist ab 16 eingestuft.
  • Gelegentlich gemeinsam durch die installierten Apps scrollen.

6. Eine Bedienungshilfe hebelt App-Limits aus

heise berichtete im Januar 2025, dass sich über die Bedienungshilfe „Assistiver Zugriff“ App-Limits aushebeln lassen. medien-kindersicher.de schrieb, Apple kenne das Problem seit Sommer 2024 und habe bis Oktober 2025 keine Lösung veröffentlicht. Ob die Lücke unter iOS 26 oder 27 geschlossen ist, ist nicht belegt. Die Ratgeber empfehlen, die Funktion selbst mit eigenem Code einzurichten oder betroffene Apps zu entfernen und die Installation zu sperren.

7. Ein anderes Gerät

Das iPad der Eltern, das alte Handy in der Schublade, der Laptop: Jedes Gerät ohne Beschränkungen ist ein Ausweg. Schütze deine eigenen Geräte mit einem Code, den dein Kind nicht kennt. Mit „Geräteübergreifend teilen“ gelten die Regeln deines Kindes auf allen Geräten, auf denen sein Account angemeldet ist.

Nach dem Entdecken: erst reden

ins-netz-gehen.de, ein Angebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, rät dazu, Beziehung und klare Orientierung wichtiger zu nehmen als die Technik. Frag dein Kind, warum es das Limit umgangen hat. Reicht die Zeit für ein Spiel mit Freunden nicht, ist ein Wochenbudget vielleicht passender als ein starres Tageslimit. Meine Einschätzung: Wer nach dem Entdecken nur den nächsten Schalter umlegt, startet ein Wettrennen, das die Technik auf Dauer selten gewinnt.

Gemeinsame Regeln haltet ihr im Mediennutzungsvertrag fest. Wie viel Zeit für welches Alter empfohlen wird, steht unter Wie viel Bildschirmzeit ist okay? Hat dein Kind ein Android-Handy, lies weiter bei Wenn dein Kind Family Link umgeht.

Menüpfade und Angaben zuletzt geprüft am 14.09.2026. Hersteller ändern Menüs und Altersgrenzen regelmäßig. Wenn bei dir etwas anders aussieht, schreib mir bitte (Kontakt).

Quellen