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Tablet für Kinder: worauf du vor dem Kauf achten solltest

Von Daniel Weihmann · aktualisiert am 08.10.2026

Kurz gesagt

  • „Kinder-Tablet“ ist keine geschützte Bezeichnung. Oft ist es ein einfacheres Tablet mit Schutzhülle, vorinstallierten Apps und Elternfunktionen. Auch ein normales Tablet lässt sich kindersicher einrichten.
  • Was du steuern kannst, hängt am Betriebssystem: iPad mit Familienfreigabe, Android mit Family Link, Fire-Tablet mit Amazon Kids.
  • Amazon Kids ist kostenlos. Das Abo Amazon Kids+ kostet nach dem Gratisjahr der Kids-Tablets Geld und verlängert sich automatisch.
  • Bei sehr günstigen Android-Tablets warnt das BSI vor Schadsoftware ab Werk. Dagegen hilft keine Kindersicherung.
  • Für die Zeit gilt: Fachleute raten unter 3 Jahren ganz ab, von 3 bis 6 Jahren zu höchstens 30 Minuten, zusammen für alle Bildschirme.

Ein Tablet ist für viele Familien das erste eigene Gerät des Kindes, oft lange vor dem Handy. Laut der miniKIM-Studie 2023, die klicksafe zitiert, hat schon jedes fünfte Kind zwischen 2 und 5 Jahren ein eigenes Tablet. Diese Seite hilft dir bei der Entscheidung vor dem Kauf: welches System, welche Kindersicherung, welche Kosten und worauf du bei günstigen Geräten achten solltest. Testsieger nenne ich bewusst nicht.

Kinder-Tablet oder normales Tablet?

Kinder-Tablets sind laut SCHAU HIN! meist leistungsschwächere Varianten normaler Tablets, mit stoßfester Hülle, großen Schaltflächen, vorinstallierten Lernspielen und Elternkontrollen. Sie kosten meist deutlich weniger. Die Altersangabe des Herstellers, etwa „ab 3“, ist nur eine erste Orientierung.

Entscheidend ist nicht die Aufschrift, sondern was du einstellen kannst: Apps sperren, Zeiten begrenzen, Käufe verhindern. Das geht auch mit einem normalen Tablet. Wenn du das Gerät selbst mitnutzen willst, rät SCHAU HIN!, ein herkömmliches Tablet über Einstellungen und Apps kindersicher einzurichten.

Prüf die vorinstallierten Apps trotzdem vorher. Nicht alles, was ab Werk drauf ist, passt zu deinem Kind, sagt auch SCHAU HIN!

Welches System, welche Kindersicherung?

SystemKindersicherungGut zu wissen
iPadFamilienfreigabe mit Kinderaccount und Bildschirmzeit, eingestellt vom Elterngerätkeine getrennten Nutzerprofile, Updates laut Stiftung Warentest länger als bei den meisten Android-Tablets, kein Speicherkartenslot
Android-TabletGoogle Family Link, Zeitlimits ab Android 7eigene Nutzerprofile für mehrere Familienmitglieder möglich
Fire-TabletAmazon Kids mit Eltern-Dashboard, kostenloskein Google Play Store, nur der kleinere Amazon Appstore, viele Apps fehlen

Die Einrichtung Schritt für Schritt steht unter Apple Familienfreigabe und Bildschirmzeit am iPhone, die genauso fürs iPad gilt, sowie unter Google Family Link und Kindersicherung für Android und Tablets.

Ein Tipp aus der Einordnung von Stiftung Warentest: App-Käufe lassen sich nur innerhalb desselben Systems ohne Zusatzkosten mitnehmen. Und wenn die Schule bestimmte Lern-Apps nutzt, prüf vor dem Kauf, ob es sie im Store des Systems gibt. Beim Fire-Tablet fehlen viele.

Amazon Kids und Amazon Kids+: was kostet was?

Hier verwechseln viele zwei Dinge:

  • Amazon Kids ist das kostenlose Kinderprofil auf Fire-Tablets. Damit stellst du Zeitlimits, Altersfilter, Internet und Käufe ein. Laut den Landesmedienanstalten (medien-kindersicher.de) brauchst du für die Kindersicherung kein Abo.
  • Amazon Kids+ ist ein Abo mit Spielen, Videos, Büchern und Apps für Kinder von 3 bis 12 Jahren, laut Amazon ohne Werbung und ohne In-App-Käufe. Die Apps und Spiele daraus laufen nur auf Fire-Tablets und Fire TV.
Amazon Kids+mit Primeohne Prime
monatlich4,99 Euro7,99 Euro
jährlich49 Euro79 Euro

Preise laut amazon.de, Stand Oktober 2026, für bis zu vier Kinder. Amazon kann sie mit 30 Tagen Vorlauf ändern.

Statt zu kündigen, kannst du ein Monatsabo bis zu drei Monate pausieren. Und innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss eines bezahlten Abos kannst du widerrufen und bekommst die Gebühr zurück.

Vorsicht bei sehr günstigen Tablets

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschreibt zwei Schadprogramme, die schon ab Werk auf Android-Geräten sitzen können:

  • BADBOX wird laut BSI während oder kurz nach der Produktion in die Firmware gespielt. Das Gerät ist beim Kauf schon infiziert, und du kannst die Schadsoftware nicht selbst entfernen. 2024 unterbrach das BSI die Verbindung bei bis zu 30.000 betroffenen Geräten in Deutschland.
  • Keenadu wird laut BSI in vielen Fällen ab Werk auf günstigen Android-Tablets verschiedener Hersteller ausgeliefert.

Das heißt nicht, dass jedes günstige Tablet betroffen ist. Eine Kindersicherung schützt aber nicht davor. Das BSI rät, beim Kauf auf offiziellen Support des Herstellers, eine aktuelle Android-Version und einen seriösen Hersteller zu achten. Ist ein Gerät ab Werk infiziert und gibt es keine bereinigte Firmware, solltest du es laut BSI außer Betrieb nehmen.

Wie lange es Updates gibt

Für Tablets, die seit dem 20. Juni 2025 neu auf den Markt kommen, schreibt die EU mindestens fünf Jahre Updates vor, gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem das Modell nicht mehr neu verkauft wird. Ersatzteile muss es sieben Jahre geben. Seitdem tragen neue Tablets auch ein Energielabel mit Angaben zu Akku, Wasserschutz und Reparierbarkeit. Unabhängig davon muss der Verkäufer notwendige Updates mindestens während der Gewährleistung liefern.

Wie viel Tablet-Zeit ist okay?

Die Empfehlungen gelten für alle Bildschirme zusammen, also Tablet, Fernseher, Handy und Konsole. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt Tablets ausdrücklich mit.

AlterEmpfehlung
unter 3 Jahream besten gar nicht
3 bis 6 Jahrehöchstens 30 Minuten, nicht ohne Eltern
6 bis 9 Jahrehöchstens 30 bis 45 Minuten
9 bis 12 Jahrehöchstens 45 bis 60 Minuten täglich

Quellen sind das BIÖG und die medizinische Leitlinie der Fachgesellschaften (AWMF) zur Vorbeugung problematischer Bildschirmnutzung. Die Leitlinie rät außerdem, Kindern unter 9 Jahren keinen freien Internetzugang zu geben, auch nicht unter Aufsicht. Kein Tablet beim Essen, keins im Kinderzimmer über Nacht und keins in der letzten Stunde vor dem Schlafen. Und das Tablet nicht als Belohnung, Strafe oder zum Beruhigen einsetzen. Mehr dazu unter Wie viel Bildschirmzeit ist okay?

Fürs iPad gibt es eine Funktion, die auch die Augen schützt: Der „Bildschirmabstand“ meldet sich, wenn das Kind das Gerät länger näher als 30 Zentimeter vors Gesicht hält. Für Kinder unter 13 in der Familienfreigabe ist sie laut Apple automatisch an.

Bevor du kaufst: kurze Checkliste

Zusammengestellt aus den Hinweisen von BSI, Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest, klicksafe und SCHAU HIN!:

  • Wer nutzt das Tablet, wofür, und wie robust muss es sein?
  • Gibt es für das System eine Kindersicherung, die du bedienen kannst?
  • Wie lange sagt der Hersteller Updates zu, und gibt es eine Supportseite für genau dieses Modell?
  • Gibt es die Apps, die dein Kind oder die Schule braucht, im Store dieses Systems?
  • Reicht WLAN? Ein Tablet mit eigener SIM-Karte braucht einen Vertrag und öffnet Kostenfallen über die Handyrechnung.
  • Welche laufenden Kosten kommen dazu, etwa ein Abo nach dem Gratiszeitraum?
  • Ist das Energielabel angegeben, mit Akku und Reparierbarkeit?

Meine Einschätzung: Das passende Tablet ist meist nicht das mit „Kids“ im Namen, sondern das, dessen Kindersicherung du verstehst und das lange Updates bekommt. Richtet es gemeinsam ein und haltet die Regeln fest, zum Beispiel im Mediennutzungsvertrag. Wenn später das erste Handy ansteht, hilft Handy für Kinder.

Menüpfade und Angaben zuletzt geprüft am 08.10.2026. Hersteller ändern Menüs und Altersgrenzen regelmäßig. Wenn bei dir etwas anders aussieht, schreib mir bitte (Kontakt).

Quellen