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Was ist Snapchat und ab welchem Alter ist es erlaubt?

Von Daniel Weihmann · aktualisiert am 08.10.2026

Kurz gesagt

  • Snapchat ist vor allem ein Messenger mit Kamera: Fotos und kurze Videos, die nach dem Ansehen vom Server gelöscht werden, dazu Chat, Storys, eine Karte mit dem Standort von Freunden und der Chatbot My AI.
  • Erlaubt ist Snapchat ab 13. Das Alter gibt dein Kind bei der Anmeldung selbst an, eine Zustimmung der Eltern verlangen die Nutzungsbedingungen nicht.
  • „Verschwindet“ stimmt nur halb: Jeder Empfänger kann einen Screenshot machen oder den Bildschirm abfotografieren.
  • Im Family Center siehst du, mit wem dein Kind schreibt, aber nicht, was. Ein Zeitlimit lässt sich dort nicht einstellen.
  • Die EU-Kommission hat im März 2026 ein Verfahren gegen Snapchat eröffnet. Sie hat unter anderem den Verdacht, dass Minderjährige nicht ausreichend vor Fremden geschützt sind und die Altersprüfung zu schwach ist. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.

Kennst du das: Dein Kind möchte Snapchat, weil die anderen aus der Klasse es auch haben? Diese Seite erklärt, was Snapchat ist, ab welchem Alter es erlaubt ist, wie du das Family Center einrichtest und welche Einstellungen ihr gemeinsam durchgehen solltet.

Die Menüpfade stammen aus der deutschen Snapchat-Hilfe. Snapchat baut die App häufig um, einzelne Bezeichnungen können abweichen. Wie Snapchat im Vergleich zu WhatsApp, TikTok und Instagram dasteht, zeigt die Seite Altersgrenzen von Apps.

Was ist Snapchat?

Snapchat öffnet nicht mit einer Chatliste, sondern mit der Kamera. Fotos und kurze Videos heißen Snaps. Dein Kind schickt sie an Freunde oder Gruppen, stellt sie in seine Story oder in öffentliche Bereiche. Snapchat läuft auch im Browser.

FunktionWas dahintersteckt
SnapsFotos und Videos an Freunde. Der Absender legt fest, ob sie 1 bis 10 Sekunden oder beliebig lange zu sehen sind
ChatNachrichten und Anrufe, auch in Gruppen
Meine StorySnaps für alle Freunde, normalerweise 24 Stunden sichtbar
SpotlightÖffentliche Kurzvideos, ähnlich wie bei TikTok. Beiträge werden vor der Verbreitung moderiert
Snap MapKarte, auf der Freunde, die ihren Standort teilen, als Avatar erscheinen. Standardmäßig aus
FlammenZähler für Tage, an denen zwei Freunde sich gegenseitig Snaps geschickt haben
MemorysGespeicherte Snaps, gesichert bei Snapchat
My AIChatbot, der laut Snapchat auf Sprachmodellen von OpenAI und Google beruht
Linsen und FilterEffekte für Gesicht und Bild, viele davon Werbung
Snapchat+Kostenpflichtiges Abo mit Zusatzfunktionen

Ab welchem Alter ist Snapchat erlaubt?

Laut den Nutzungsbedingungen ab 13 Jahren, oder ab einem höheren Alter, wenn ein Land das vorschreibt. Eine Zustimmung der Eltern verlangen die Bedingungen nicht. Im App Store steht Snapchat mit 13+, bei Google Play mit USK ab 12. Das Geburtsdatum gibt dein Kind bei der Anmeldung selbst ein. Laut Snapchat können 13- bis 17-Jährige ihr Geburtsjahr später nicht so ändern, dass sie volljährig werden.

Genau diese Selbstangabe hält die EU-Kommission für zu schwach. In dem Verfahren, das sie im März 2026 eröffnet hat, äußert sie den Verdacht, dass Snapchat so weder unter 13-Jährige fernhält noch zuverlässig erkennt, wer minderjährig ist. Die Schutzeinstellungen für Jugendliche hängen am angegebenen Alter. SCHAU HIN! rät deshalb, beim Anlegen auf das richtige Geburtsdatum zu achten.

Abhängig vom Alter schaltet Snapchat Funktionen frei:

  • 13 bis 15: kein öffentliches Profil. Snapchat hat im Juni 2026 begonnen, für diese Altersgruppe ein Profil einzuführen, das nur für bestätigte Freunde sichtbar ist.
  • 16 und 17: öffentliches Profil möglich, aber standardmäßig aus.
  • Ab 18: Chat mit Personen, die nicht auf der Freundesliste stehen.

Verschwinden die Bilder wirklich?

Snapchat löscht Snaps an Freunde standardmäßig vom Server, sobald alle Empfänger sie angesehen haben. Ungeöffnete Snaps löscht es nach 31 Tagen. Chatnachrichten verschwinden standardmäßig 24 Stunden nach dem Lesen, spätestens 31 Tage nach dem Senden. Jeder im Chat kann das ändern, bis hin zu „nie löschen“, und alle bekommen dann einen Hinweis.

Dazu kommen Ausnahmen: Wer eine Nachricht antippt, speichert sie im Chat. Gespräche mit My AI bleiben gespeichert, bis man sie selbst löscht. Und wenn Snapchat illegale Inhalte erkennt oder gemeldet bekommt, bewahrt es sie länger auf, damit Strafverfolger ermitteln können.

Flammen: warum dein Kind jeden Tag Snaps schickt

Schicken sich zwei Freunde jeden Tag mindestens einen Foto- oder Video-Snap, erscheint eine Flamme mit der Zahl der Tage. Textnachrichten zählen nicht. Schickt einer von beiden länger als einen Tag keinen Snap, erlischt die Flamme. Eine Sanduhr warnt kurz vorher. Seit September 2025 gibt es Flammen auch für Gruppen.

Eine erloschene Flamme lässt sich einmal kostenlos zurückholen, danach kostet es Geld. Im deutschen App Store stehen dafür Beträge von 0,49 bis 1,49 Euro (Stand Oktober 2026). SCHAU HIN! beschreibt, dass Flammen und Freundes-Emojis sozialen Druck erzeugen können.

Meine Einschätzung: Wenn dein Kind im Urlaub oder abends unruhig wird, weil eine Flamme ausgeht, lohnt ein Gespräch darüber, wer hier eigentlich etwas davon hat. Die Zahl ist so gebaut, dass man sie nicht abreißen lassen will.

Das Family Center einrichten

Das Family Center ist die Elternfunktion von Snapchat. Du brauchst dafür ein eigenes Snapchat-Konto, mindestens 18 Jahre. Dein Kind muss zwischen 13 und 17 sein und die Einladung annehmen. Ohne seine Zustimmung geht es nicht.

  1. Füge dein Kind in deiner Snapchat-App als Freund hinzu und warte, bis es die Anfrage annimmt.
  2. Tippe oben links auf dein Bitmoji (Mein Account) und scrolle im Bereich „Meine Freunde“ zu Family Center. Alternativ: Zahnrad > App & Datenschutz > Family Center.
  3. Folge der Einrichtung, wähle den Namen deines Kindes und tippe auf „Einladung senden“.
  4. Dein Kind bekommt die Einladung als Chat-Nachricht und muss sie annehmen. Sag ihm vorher Bescheid: Die Nachricht wird wie jede andere nach dem Ansehen gelöscht.

Was du im Family Center siehst

  • Freundesliste deines Kindes und neue Freunde der letzten sieben Tage.
  • Vertrauenssignale unter neuen Freunden, etwa „In Kontakten“, gemeinsame Freunde oder ob die Person den Standort sehen kann. Dein Kind sieht dieselben Hinweise.
  • Letzte Gespräche: mit wem dein Kind in den letzten sieben Tagen geschrieben hat, auch mit Konten, die es inzwischen gelöscht oder blockiert hat.
  • Zeitaufwand: wie lange dein Kind Snapchat im Schnitt der letzten sieben Tage genutzt hat, aufgeteilt nach Chat, Kamera, Spotlight und Storys sowie Karte.
  • Standort: Du kannst ihn anfragen, dein Kind muss zustimmen. Benachrichtigungen bei Ankunft oder Verlassen gespeicherter Orte lassen sich einrichten.
  • Datenschutzeinstellungen deines Kindes, nur zum Ansehen.

Was du nicht siehst: die Inhalte von Nachrichten und Snaps. Snapchat beschreibt das Family Center so, dass Eltern erfahren, mit wem ihr Kind Kontakt hat, nicht was geschrieben wird.

Was du einstellen kannst

Ganz unten im Family Center klappst du Einstellungen auf. Dort gibt es:

  • Sensible Inhalte einschränken: weniger anzügliche Inhalte in Storys und Spotlight. Snapchat schreibt selbst, dass kein Filter perfekt ist. Für Chats und Kontakte mit Fremden gilt die Einstellung nicht.
  • My AI deaktivieren: Der Chatbot antwortet deinem Kind dann nicht mehr und speichert keine Anfragen.
  • Käufe verwalten: führt zu den Kindersicherungen von Apple und Google, wo du In-App-Käufe und Abos sperrst. Wie das geht, steht unter In-App-Käufe deaktivieren.

Über das Flaggensymbol meldest du ein Konto, das dir merkwürdig vorkommt. Laut Snapchat erfährt weder das Konto noch dein Kind davon.

Laut klicksafe könnt ihr das Family Center beide jederzeit verlassen. Ob du dann eine Nachricht bekommst, beschreibt die Snapchat-Hilfe nicht. Wird dein Kind 18, endet die Verknüpfung von selbst. Das Family Center wirkt also nur, solange dein Kind mitmacht. Meine Einschätzung: Es ist eher ein Anlass zum Reden als eine Sperre.

Diese Einstellungen geht ihr gemeinsam durch

Der Einstieg ist bei allen gleich: Bitmoji oben links, dann das Zahnrad oben rechts, Abschnitt App & Datenschutz.

  • Wer darf schreiben: Kontaktiere mich auf „Freunde“ oder „Freunde und Kontakte“. Eine Option „Alle“ gibt es für normale Konten nicht mehr. In Gruppenchats kann jedes Mitglied schreiben.
  • Wer die Story sieht: unter Mein Datenschutz und Meine Daten > Meine Story anschauen auf „Meine Freunde“. Das ist auch der Standard.
  • Standort: Karte öffnen, Zahnrad unten rechts, Geistmodus einschalten oder nur einzelne Freunde auswählen. Im Geistmodus sieht niemand den Standort auf der Karte, Snapchat selbst kennt ihn weiter. Der Standort kann außerdem auf Screenshots von Freunden auftauchen.
  • Freunde finden: Unter Wer mich in Freunde finden sehen kann legt ihr fest, ob Snapchat dein Kind anderen vorschlägt. Die Änderung kann bis zu 72 Stunden dauern.
  • Kontakte: Wer sein Adressbuch hochlädt, gibt Snapchat die Namen der Kontakte und ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen in verschlüsselter (gehashter) Form. Das lässt sich am Handy einschränken und in Snapchat wieder löschen.
  • Fremde blockieren: Im Chat auf „Melden oder blockieren“. Die andere Person erfährt nicht, dass sie blockiert wurde.

Snapchat zeigt Jugendlichen außerdem nach eigenen Angaben eine Warnung im Chat, wenn sie mit jemandem schreiben, mit dem sie keine gemeinsamen Freunde haben. Und Snapchat selbst gibt Eltern eine einfache Regel mit: Nur Menschen als Freunde hinzufügen, die dein Kind persönlich kennt.

Worüber ihr sprechen solltet

Fremde und Cybergrooming

In der JIM-Studie 2025 nannten 18 Prozent der 12- bis 19-Jährigen, die im Netz sexuell belästigt worden waren, Snapchat als Ort. Instagram (37 Prozent) und TikTok (27 Prozent) lagen höher. In einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW von 2026 nannten 20 Prozent der Betroffenen von Cybergrooming Snapchat als Plattform, auf der es passiert ist. Die EU-Kommission prüft seit März 2026 unter anderem, ob Snapchat Minderjährige ausreichend vor Erwachsenen schützt, die sich als Jugendliche ausgeben. Woran du Cybergrooming erkennst, steht unter Cybergrooming.

Bilder, die bleiben

Weil Snaps scheinbar verschwinden, fällt es leichter, ein Bild zu schicken, das man sonst nicht schicken würde. Eine Analyse der US-Organisation Thorn zu Sextortion-Meldungen beim US-Kinderschutzzentrum NCMEC fand den Erstkontakt am häufigsten über Instagram und Snapchat. In den USA hat der Bundesstaat New Mexico 2024 Klage gegen Snap eingereicht und wirft dem Unternehmen vor, das Design der App erleichtere Sextortion. Das sind Vorwürfe, kein Urteil. Was du tun kannst, wenn ein Bild schon unterwegs ist, steht unter Sexting und Sextortion.

Drogen und Vapes

Die EU-Kommission äußert den Verdacht, dass Snapchat nicht wirksam verhindert, dass Angebote für Drogen, Vapes und Alkohol verbreitet werden und Minderjährige sie sehen. Die niederländische Verbraucherbehörde hatte dazu ab September 2025 ermittelt, die Kommission hat die Untersuchung übernommen. Auch das ist ein Verdacht, kein Ergebnis.

Kosten und Werbung

Snapchat+ kostet laut deutschem App Store 3,99 Euro im Monat (Stand Oktober 2026). Das Abo hat keine Funktionen speziell für Jugendliche, sondern vor allem Extras wie eigene App-Symbole, Abzeichen und Hinweise darauf, wer eine Story mehrfach ansieht. Werbung steckt in Linsen, Filtern und Inhalten von Creatorn. Laut SCHAU HIN! lässt sie sich nicht gezielt ausblenden. Sprich mit deinem Kind darüber und hinterlege kein Zahlungsmittel auf seinem Handy.

Menüpfade und Angaben zuletzt geprüft am 08.10.2026. Hersteller ändern Menüs und Altersgrenzen regelmäßig. Wenn bei dir etwas anders aussieht, schreib mir bitte (Kontakt).

Quellen